Technologie

Werden die „Beatles“ immer lauter?

Wie es die kommerzielle Ausrichtung der Musikveredelung übertreibt, um gezielt mehr „Gehör“ zu finden.

Anfang September diesen Jahres erhielt die komplette deutsche Phonak-Vertriebsmannschaft die Möglichkeit nach England zu reisen, um sich von der Qualität der Im-Ohr Fertigung zu überzeugen. Die Produktion in Warrington beeindruckte mich urplötzlich, als sich die Tür zur Werkshalle öffnete – 300 Mitarbeiter in Reihe und Glied, 11 3D-Drucker im Dauerbetrieb & eine Organisation die ihresgleichen sucht.

Das anschließende Abendprogramm führte uns nach Liverpool zur „The Beatles Story“, dem Museum der legendären britischen Rockband. Neben unzähligen Exponaten, Bildern & Filmen gab es einen nahezu originalen Nachbau des berühmten Abbey Road Studios mitten im Museum. Für mich ein absolutes Highlight, da ich passioniert Schallplatten sammle und mich ebenfalls im Produzieren versuche.

Die damalig äußerst eingeschränkte Technik, mit dem überschaubaren Equipment schmälerte in keinsterweise die Kreativität und die Motivation der 4 Briten den richtigen Sound aufzunehmen. Mit diesen wenigen Mitteln galt es das Beste rauszuholen. So oblag es den Bandmitgliedern mit der jeweiligen Positionierung des Instruments samt Musiker eine Gewichtung, sowie Atmosphäre bei der Aufnahme zu schaffen. Die Beatles hatten ihren eigenen spezifischen Klang, denn das Mischen und Mastern war ein gemeinsamer kreativ-künstlerischer & klangästethischer Vorgang. Und genau diesen besonderen, wertvollen & dynamischen Klang schätzen Vinyl Liebhaber und HiFi Fans auf der ganzen Welt.

Die Veredelung von musikalischen Aufnahmen (sprich das Mastern) hat sich im Laufe der Zeit deutlich weiterentwickelt. Ein individuelles Mastering hat als Ziel, den Klang möglichst in der Dynamik zu erhalten und die emotionalen Akzente in einer Mischung herauszuarbeiten.

Und genau daran musste ich denken als ich am Ende der „The Beatles Story“ im Souvenir Shop eine CD in der Hand hielt worauf stand: „The Beatles: 1 (2015 Remaster)“.

Dieses nachträglich veredelte Album wollte ich hören und erleben!

Zu Hause angekommen, startete ich dann den Vergleich zwischen der Original Version auf 12 Zoll Schallplatte und der digitalen Remaster Version von CD. Zuerst rein akustisch mit meinen Nahfeld Monitor Studio Lautsprechern und dann auch optisch mit Darstellungs-Software, nachdem ich beide Signale in den Computer eingespeist hatte. Unüberhörbar fiel mir auf, dass die neue Version viel klarer, akzentuierter & um einiges lauter war. Was ich definitiv als angenehm empfand! Hier hatte sich ein wahrer Fachmann daran gemacht dem Album einen Feinschliff zu verpassen. Es wurde auf stilvolle Art & Weise klanglich poliert.

Die Grafik zeigt den Unterschied zwischen der Original Aufnahme auf Schallplatte im Vergleich zu dem digitalen Remaster von CD. Deutlich dichtere Struktur mit weniger Dynamik, aber höherer Lautstärke.
Die Grafik zeigt den Unterschied zwischen der Original Aufnahme auf Schallplatte im Vergleich zu dem digitalen Remaster von CD. Deutlich dichtere Struktur mit weniger Dynamik, aber höherer Lautstärke.

Kommerzielles Mastering allerdings verfolgt meist nur die maximale Lautstärke. Das bedeutet, dass Kompressoren überstrapaziert werden. In Summe kann dann das Signal nach oben aufgerissen werden, ohne Rücksicht auf Verlust der Dynamik und der damit verbundenen Liebe im Musikstück. Studien und Umfragen zu folge werden aber genau diese Eigenschaften im Radio am meisten wahrgenommen. Das bedeutet einfach gesagt, der der am lautesten schreit wird am ehesten gehört. Ein wahres Wettrennen um hohe Lautstärke, dessen Ziel ein Audiosignal darstellt das durchgehend auf Anschlag läuft. Somit hatten die Beatles und ihre Hits keine große Wahl, wenn sie in täglichen Radiosendungen „mithalten“ wollten.

Die Beatles wurden tatsächlich lauter! Nur allzu schön, dass hier nicht übertrieben wurde, ganz nach dem Motto:

„Hören Sie jeden Laut. Und jedes Leise“!

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