Aus der Praxis, Technologie

Wissen ist Macht: Wie mit eAudiology die Hörrehabilitation verbessert werden kann

Webbasierte, interaktive Lernplattformen wie C2Hear in Großbritannien machen Wissen rund ums Hören und Hörgeräte leichter für mehr Nutzer zugänglich.

Was glauben Sie: Inwieweit merkt sich ein neuer Kunde all die Ratschläge, die Sie ihm mit auf den Weg geben, bevor Sie ihn nach der Anpassung das erste Mal mit Hörgeräten „ins echte Leben da draußen“ entlassen? Kann er die Menge an Informationen überhaupt auf einmal aufnehmen – und vor allem: Setzt er das Gesagte anschließend im Alltag auch um?

Die Herausforderung mit Hörgeräten …

… ist, dass sie zwar klein sind und auf den ersten Blick eigentlich nicht schwer zu bedienen wirken. Sie sind jedoch komplexe elektronische Geräte, an die man sich erstmal gewöhnen muss. Man hört mit ihnen nicht einfach wieder „normal“, und oft wird der Nutzen der Hörgeräte von Kunden und ihrem engen Umfeld ziemlich unterschiedlich wahrgenommen. So kommt es, dass Hörgeräte immer wieder in der Küchenschublade landen – und das, obwohl sie erwiesenermaßen wirksam und kosteneffizient sind.

Wissen ist Macht

Schon 1597 erkannte der englische Philosoph Sir Francis Bacon: Wissen ist Macht. Auch in der patientenzentrierten Versorgung und im Selbstmanagement von Menschen mit Hörverlust spielt Wissen längst eine zentrale Rolle und nationale Richtlinien  (z. B. BSANICE) empfehlen die Abgabe von umfassenden fundierten Informationen an Kunden und deren Angehörige.

Wichtige Informationen zu Hörverlust, Hörgeräten und Kommunikation werden häufig verbal und nebenbei von Hörakustikern während der Anpassung übermittelt – und das, obwohl wir inzwischen wissen, dass komplexe medizinische Informationen schnell wieder vergessen werden. „Wenn Sie nach Hause kommen, können Sie sich wahrscheinlich an nichts mehr erinnern!“ Dieser Spruch kommt sicher vielen Kunden (und Hörakustikern) bekannt vor. Und es trifft nicht nur auf die Kunden selbst zu, auch ihr näheres Umfeld, Mediziner ohne audiologischen Schwerpunkt und die breite Öffentlichkeit wissen nach wie vor viel zu wenig über das Hören und Hörgeräte.

Die Lösung könnte eAudiology heißen

Doch was tun, um das zu ändern? Gehen wir doch einmal davon aus, dass eine digitale Wissensvermittlung die Aufklärung im persönlichen Gespräch durch den Hörakustiker ergänzen könnte – und nennen es eAudiology. Basierend auf dieser Annahme wurde in Großbritannien die webbasierte, interaktive Lernplattform C2Hear entwickelt, die sich sowohl an Hörgeräteträger als auch Audiologen wendet. Das Ziel: hochqualitative Informationen auf leicht verständliche Art und Weise zu vermitteln. Interessierte können am Computer oder über ein mobiles Endgerät (z. B. Smartphones, Tablets) auf C2Hear zugreifen – der Zugang ist einfach, die Reichweite groß. Bisher verzeichnet die in Großbritannien gelaunchte, kostenfrei zugängliche Plattform über 130.000 Zugriffe aus mehr als 50 Ländern. Eine US-Version wurde bereits entwickelt, eine chinesische Version ist in Planung.

Hilfe zur Selbsthilfe für Hörgeräteträger

Eine groß angelegte Studie mit Hörgeräteträgern hat gezeigt: Die Nutzung von C2Hear führte zu mehr Wissen und einem besseren Umgang mit den Hörgeräten. Die Geräte wurden außerdem mehr getragen. Die Motivation nahm zu, Ängste wurden abgebaut. Die Studienteilnehmer bewerteten C2Hear als sehr hilfreich und unterhaltsam – und würden das Programm schriftlichen Informationen jederzeit klar vorziehen. Mehr als die Hälfte der Hörgeräteträger gaben an, dass sie die Lerneinheiten zwei oder mehr Mal durchlaufen haben, was als ein Zeichen für ein aktives Selbstmanagement gewertet werden kann.

Die drei Is: individuell, interaktiv und integriert

Um C2Hear zukunftsfähig zu machen und vom bisherigen „Eins für alle“-Ansatz wegzukommen, wurde mit m2Hear ein neues Mobile Health-Programm entwickelt, das auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Nutzers zugeschnitten ist. Es besteht aus einer Serie von 42 etwa einminütigen Videos und bietet dem Nutzer mehr Möglichkeiten, selbst (inter)aktiv zu werden, um so ein maximales Nutzer-Engagement und einen optimalen Lernerfolg zu erzielen. m2Hear wird derzeit noch getestet, vorläufige Ergebnisse zeigen aber, dass die Nutzer die Qualität des Programms und den positiven Verhaltenseffekt als sehr hoch bewerten.

Um auch das engere Umfeld einzubinden, haben wir ein mobil-optimiertes eLearning zu Kommunikationsstrategien zum gemeinsamen Durchlaufen der Hörgeräteträger mit ihren Angehörigen entwickelt. Dabei werden Kommunikationsherausforderungen aufgezeigt und neue Diskussionen über Kommunikation an sich angeregt. Die Kommunikationspartner lernen außerdem, wie sie ihr Verhalten anpassen können, um die Kommunikation zu verbessern. Um es mit dem amerikanischen Web-Entwickler Matt Mullenweg zu sagen: „Technologie funktioniert am besten, wenn sie Menschen zusammenbringt.“

In den nächsten Wochen wird die Aufnahme eines kürzlichen Webinars mit Dr. Melanie Ferguson zu diesem Thema über http://learning.phonakpro.com/ verfügbar sein. Halten Sie auch Ausschau nach dem Hashtag #eaudiologyphonak auf LinkedIn, Twitter und Facebook.

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