Studien

Emotionen in der Sprache – Worte allein sind nicht genug

Reicht es aus, das Sprachsignal hören zu können, um alles zu verstehen, was ein Sprecher vermitteln will?

Wir kommunizieren nicht nur über Worte. Auch unsere Stimme vermittelt Informationen – über Emotionen. Hören Sie sich die nachfolgenden Beispielaufzeichnungen aus dem Toronto Emotional Speech Test (TESS) an, bei denen dieselben Worte, aber mit deutlich unterschiedlichen Emotionen gesprochen werden.

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Wir alle sind überzeugt, dass ein Zuhörer auch eine emotionale Dimension einer Aussage wahrnehmen kann. Dennoch ist bisher wenig darüber bekannt, ob und wie Hörgeräte auch die Wahrnehmung von Emotionen in der Sprache ermöglichen.

Ich habe kürzlich an einer Studie mitgewirkt, in der untersucht wurde, wie sich Hörgeräte auf die Wahrnehmung von Emotionen in der Sprache und das Erkennen von emotional gesprochener Sprache auswirken. Dabei fanden wir heraus, dass Hörgeräte die Worterkennung steigern (Testpersonen ohne Hörgerät erkannten im Schnitt 43%, Testpersonen mit Hörgerät hingegen 68% der Wörter), aber auf die Erkennung von Emotionen kaum Einfluss zu nehmen scheinen (38% ohne Hörgerät und 40% mit Hörgerät). Anders gesagt, können Hörgeräte helfen, den Inhalt einer Aussage besser zu verstehen, aber nicht die dazugehörigen Emotionen.

Nach dieser Studie habe ich gemeinsam mit Kollegen von der Ryerson University und der Phonak AG einen Fragebogen entwickelt, mit dem man die Fähigkeit, Affekte (Emotionen) in der Sprache zu erkennen, messen kann. Der „Emotional Communication in Hearing Questionnaire“ (EMO-CHeQ) besteht aus 17 möglichen Angaben, wie z.B. „Ich finde es schwierig, die Emotionen von Sprechern im Fernsehen zu erkennen“.

Bei der Auswertung der Fragebögen stellten wir fest, dass Erwachsene mit Hörminderung in der Regel Herausforderungen haben, Emotionen in der Sprache wahrnehmen zu können. Die aktuelle Hörgerätetechnologie scheint nicht in der Lage, dieses Defizit zufriedenstellend auszugleichen. Noch wichtiger war allerdings der Befund, dass selbst Personen, die mit der Leistung ihres Hörgeräts sehr zufrieden waren, ähnliche Schwierigkeiten hatten, Emotionen in der Sprache wahrzunehmen.

Bis zu einem gewissen Maß ist das nicht verwunderlich, weil der Fokus in der Hörgeräteforschung bisher vor allem darauf lag, die Sprachverständlichkeit und Klangqualität zu verbessern, und weniger die Erkennung von Emotionen. Mit diesem Fragebogen geben wir Forschern und Personen, die sich mit der Hörgeräteanpassung beschäftigen, ein sehr wichtiges Instrument an die Hand, um die Erkennung von Emotionen in der Sprache zu messen.

Mehr Informationen über unsere Studie zur Wahrnehmung von Emotionen in der Sprache durch Hörgeräteträger finden Sie in diesem Artikel der Fachzeitschrift Canadian Acoustics.

 

 

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