Gurjit Singh, Senior Research Audiologist bei Phonak

Das Zeitalter von eAudiology

Technologien verändern die Art und Weise, in der wir mit unseren Kunden kommunizieren und ermöglichen Hörakustikern, auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnittene Dienste anzubieten. Aus Sicht des Family-Centered Care-Konzepts ist eAudiology definitiv eine gute Sache, auch wenn damit noch ein paar Fragen verbunden sind, die es zu beantworten gilt.

Wir befinden uns an einem sehr interessanten Zeitpunkt in der Geschichte der Hörakustik. Jahrzehntelang fand die typische Interaktion zwischen dem Hörakustiker, dem Betroffenen und dessen Angehörigen hauptsächlich in einem Raum statt, alle saßen höchstens wenige Meter voneinander entfernt. So haben wir es als Hörakustiker gelernt und praktiziert, und diese persönliche Beratungssituation hat –bewusst oder unbewusst – die Art und Weise beeinflusst, wie wir mit unseren Kunden kommunizieren.

Die Kommunikation hat vorwiegend unter Bedingungen (Geräuschpegel, Umgebungsbeleuchtung, Blickfelder usw.) stattgefunden, die wir gut kontrollieren konnten. Das ermöglicht es uns, umfangreiche Informationen aus der nonverbalen Kommunikation unserer Kunden zu ziehen. Wir können ihre Denkweise, Motivation und ihre unausgesprochenen Sorgen beurteilen. Im Gegenzug können auch wir unsere eigene nonverbale Kommunikation als Hilfsmittel einsetzen, um uns auf die Bedürfnisse unserer Kunden einzustellen. Die Idee, dass die Art und Weise, in der wir kommunizieren, die Kommunikation selbst beeinflusst, hat der kanadische Philosoph Marshall McLuhan treffend in dem Spruch „Das Medium ist die Botschaft.” festgehalten. Mit anderen Worten beeinflusst die Art eines Mediums (z.B. eine face-to-face Interaktion, ein Foto, Videochat usw.) immer auch die Botschaft, die es übermitteln soll. Es trägt damit auch entscheidend dazu bei, wie eine Nachricht verstanden wird.

Nun sind wir im Zeitalter des Internets, der Telemedizin und von eAudiology angekommen. Interaktionen mit unseren Patienten werden zunehmend nicht nur von Angesicht zu Angesicht, sondern auch mit Hilfe von eAudiology-Technologien aus der Distanz stattfinden können. Meiner Meinung nach ist das eine gute Sache, weil  diese Art der Gesundheitsversorgung einer Family-Centered-Care Sichtweise entspringt (Singh et al., 2016). Nach dieser bieten Hörakustiker den Kunden Dienste an, die auf ihre Bedürfnisse oder Wünsche zugeschnitten sind.

Dennoch sind noch einige Fragen offen:

Technologien sind nicht zu 100% zuverlässig (was ich aus eigener Erfahrung mit meinem Drucker zuhause bestätigen kann). Face-to-face Interaktionen sind nicht für Probleme mit der Internetgeschwindigkeit anfällig. Wie bestimmt ein Hörakustiker, welche eAudiology-Dienste er nutzt? Regulatorische Hürden und rechtliche Hindernisse stellen in vielen Teilen der Welt immer noch ein Problem dar. Wie gliedert man eAudiology-Termine in seinen Arbeitstag ein? Passen eAudiology-Dienste zum Geschäftsmodell? Und – obwohl es auch noch andere Fragen gibt – schließe ich mit dieser: Wie wird das Medium die Botschaft beeinflussen?

Mit dem zunehmend leichteren Zugang zu eAudiology-Technologien werden Hörakustiker voraussichtlich zahlreiche Erfahrungen sammeln. Ich freue mich darauf, Ihre “eAudiology-Geschichten” zu hören und von Ihren Erfolgen und auch Learnings zu erfahren.

In den nächsten Wochen wird die Aufnahme eines kürzlichen Webinars mit Dr. Gurjit Singh zu diesem Thema über http://learning.phonakpro.com/ verfügbar sein. Halten Sie auch Ausschau nach dem Hashtag #eaudiologyphonak auf LinkedIn, Twitter und Facebook.

 

Referenzen:

Singh, G., Hickson, L., English, K., Scherpiet, S., Lemke, U., Timmer, B., Buerkli-Halevy, O., Montano, J., Preminger, J., Scarinci, N., Saunders, G., Jennings, M.B., Launer, S. (2016). Family-Centered Adult Audiologic Care: A Phonak Position Statement. Hearing Review. 2016;23(4):16.

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