Aus der Praxis

Podcast #3 Blaue Bibel und Lifestyle-Hörgeräte

Für die dritte Folge haben wir zwei Gastredner eingeladen, denen sicher schon die meisten Hörakustiker in ihrer Berufslaufbahn begegnet sind.

Fachliteratur ist in der Hörakustik rar gesät. Zwar existieren gängige Werke in den einzelnen Fachbereichen, aber die Auswahl an standardisierter Überblicksliteratur ist überschaubar. Prof. Dr. med. Eckhard Hoffmann und Dipl-Phys. Dipl.-Ing. Jens Ulrich haben mit ihrem Werk „Hörakustik 2.0“ 2011 so etwas wie die „Bibel“ der Branche veröffentlicht. Doch wie gelingt es einem Fachbuch mit einer sich rasch ändernden technologischen Entwicklung mitzuhalten? Was Kultur und Akustik unausweichlich miteinander verbindet und ob das Hörgerät künftig den Absprung vom konservativen Hilfsmittel hin zum vielseitigen Lifestyle-Produkt schaffen wird, klärt unsere aktuelle Podcast-Ausgabe.

„Man muss auch gar nicht wissen, was alles drinsteht. Man kann ja nachschlagen.“

Als Ulrich 2004 das „Kompendium der Hörgeräte-Akustik“ in den Händen hält, ist er einerseits froh, andererseits aber auch unbefriedigt, da zwei Bände geballtes Wissen über die Akustik nicht gerade Einstiegs-Kost sind. Er fährt an die Hochschule nach Aalen, um Eckhard Hoffmann in das Boot zu holen. Gemeinsam feilen sie an der Idee, ein Standardwerk zu veröffentlichen, das speziell für Branchen-Einsteiger gedacht ist. Das ist die Geburtsstunde der „Hörakustik 2.0“ und der Beginn des Siegeszugs der „Blauen Bibel“, von dem unzählige Akustiker bis heute profitieren.

Warum sich Ulrich und Hoffmann in einem nächsten Schritt für die „Hörakustik Basics“ entschieden haben, die in diesem Jahr ihre 3. Neuauflage feiern, verraten Sie in unserer aktuellen Folge.

Was hat sich von der Ersterscheinung bis heute verändert?

Alle fünf Jahre muss Fachliteratur, Dank der rasant technologischen Entwicklung, aktualisiert werden. Doch ändert sich im Zuge der Technologieentwicklung auch das Lernverhalten an Akademien und Berufsbildungszentren? Lernfelder ermöglichen ein fächerübergreifendes Arbeiten und orientieren den Unterricht an den Arbeitsprozessen des Hörakustikers. Man hat die bisherige Fächersystematik zugunsten handlungsorientierter Lernfelder aufgegeben, die in direktem Bezug zu einem Zeitrahmen der betrieblichen Ausbildung im Ausbildungsbetrieb stehen. Doch bedarf auch die Aufbereitung der Lerninhalte einer Modernisierung? Lernen Schüler heute anders als früher?

Ulrich und Hoffmann haben dafür genauso eine Antwort in petto wie auf die heiß diskutierte Frage, ob es die „Hörakustik Basics“ auch als eBook geben wird.

Qualität im Handwerk vs. Imagewandel innerhalb der Branche

Qualität im Handwerk ist für beide Experten dabei immer noch das A und O: „Wenn jemand Qualität im Handwerk abliefert, ist das durch nichts zu toppen. Ich bin stolz Handwerksmeister zu sein.“, so Ulrich. Physische Leistungen weichen heutzutage jedoch mehr und mehr psychologischen Aspekten, um den Kunden empathisch durch den Anpassprozess zu begleiten und ein erfolgreiches Tragen der Hörgeräte zu gewährleisten. Das Berufsbild des Hörakustikers befindet sich im Wandel. E-Technik und Pegelberechnungen rücken in den Hintergrund und legen den Fokus auf den Kunden, der neben einer handwerklich hochwertigen Anpassung auch von Gesundheitsanwendungen wie dem Schrittracking oder der Sturzerkennung profitieren kann. Avanciert das Hörgerät zum Lifestyle-Produkt?

Emotionen und Kultur

Bevor es soweit ist, ist es unausweichlich, das Hörgerät in das Leben eines jeden Trägers zu integrieren. Das bedeutet einen Annahmeprozess zu vollziehen, bei dem das Hörgerät Teil eines jeden Trägers wird. Erst dann erreichen wir ein Stadium des Wohlbefindens. Selbiges kann durch einen Hörverlust erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden. Hörgeräte sind zwar eine große Hilfe, um das Sprachverstehen in verschiedenen akustischen Umgebungen bestmöglich wiederherzustellen, Emotionen spielen dabei aber oft nur eine untergeordnete Rolle. Dabei übermittelt Sprache neben dem reinen Informationsgehalt auch Stimmungsinformationen, wie das gesprochene Wort zu verstehen ist. Diese Informationen sind für den Hörgeräteträger häufig nicht zu decodieren und variieren dabei nicht nur von Sprecher zu Sprecher, sondern sind auch von Kulturkreis zu Kulturkreis verschieden.

Wohin es Ulrich und Hoffmann schon hin verschlagen hat und warum man vier Paar Schuhe zum Wandern benötigt, erfahren Sie in der dritten Podcast-Folge, aufgeteilt in Teil 1 und Teil 2.

Über Themenvorschläge und Anregungen zu unserer Podcast-Serie freuen wir uns ganz besonders über learning.de@phonak.com.

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