Aus der Praxis

Mixed in Key – die perfekten DJ-Sets für das absolute Gehör?

Harmonisches Mixen mit dem Camelot Wheel ermöglicht nahtlose Übergänge zwischen den Songs. Was sich dahinter verbirgt und warum DJs auch in Zukunft nicht arbeitslos sein werden…

Abseits des beruflichen Alltags in der Audiologie, möchte ich einen kleinen Ausflug in die DJ-Szene machen. Ich selbst stand viele Jahre hinter DJ-Turntables. Dabei wurde mir häufig die Frage gestellt, „wie schafft es ein DJ, dass sich Song-Übergänge so anhören, als würden die Songs zusammengehören?“ Es gibt Songs die miteinander harmonieren. Andere klingen in Kombination eher schief. Die Kunst als DJ besteht unter anderem darin, zueinander passende Tonarten zu erkennen. Dabei gibt es Funktionen, die den DJ unterstützen: Neben Autotune für die Stimme oder dem Sync-Button für den Beatmatch, gibt es das Camelot Wheel, damit die perfekte Track-Kombination getroffen werden kann. Es vereinfacht den Einstieg in das DJing enorm und bringt gleichzeitig die dargebotenen Übergänge auf ein neues Level – eine Hommage an das Gehör.

Wie kann das Camelot-System bei der Kombination harmonischer Tonarten unterstützen?

Bei dem Camelot-System handelt es ich um ein in Zahlen übersetzter Quintenzirkel. Der Quintenzirkel wird in der Musiktheorie verwendet, um die unterschiedlichen Tonarten in einer harmonischen Beziehung zueinander abzubilden. Dabei klingt der letzte Ton einer Tonart gleich wie der erste Ton der nächsten Tonart. Allerdings unterscheiden sich die Töne anhand der Namen, da der erste Ton der neuen Tonart zu einer anderen Tonleiter gehört. Einfachheitshalber wurde der Quintenzirkel in das Camelot-Wheel übersetzt. Im Inneren des Kreises befinden sich die Moll-Tonarten mit dem Kürzel A, im Äußeren die parallelen Dur-Tonarten mit dem Kürzel B. Moll Tonarten werden tendenziell eher als melancholisch wahrgenommen, Tracks in der Dur-Tonart vermitteln ein eher fröhliches Stimmungsbild. Es passen immer die Songs zueinander, die sich im gleichen Key befinden oder benachbart sind. Wenn gerade ein Song im Key 12A läuft (s. in grün) , so wäre ein Sprung zu 12B, 11A und 1A (s. in blau) möglich. Dabei wird sich das Energielevel der Musik bei 12B und 1A erhöhen, bei 11a wird es reduziert. Natürlich gibt es hier weitere Ansätze, wie das Camelot-Wheel verwendet werden kann. Häufig wird dabei von Energy Boosts gesprochen, bei denen es um das Addieren mehrerer Ziffern geht.

Aktuelle DJ-Software analysiert Songs mittels Tonarterkennung und visualisiert den dazugehörigen Key – den sogenannte Schlüsselton – in die Meta-Daten der Audiodatei. Aufgrund dessen ist es relativ simpel und vor allem zeitsparend ein Grundgerüst für ein neues DJ-Set zu bauen. Die einzelnen Tracks werden so in einer Playlist angeordnet, dass die Beats per Minute als auch die Keys im Groben und Ganzen einigermaßen zueinander passen.

Es ist verblüffend, wenn man das Tool zum ersten Mal bewusst verwendet. Zum einen entdeckt man neue Mix-Varianten altbekannter Musik und zum anderen bietet ein solches Tool die Möglichkeit, bei neuer Musik schnell einen Fuß in die Türe zu setzen. Gerade wenn man sich seinem Hobby nicht mehr so oft widmen kann, stellt es einen immer vor eine Herausforderung, wenn nicht mehr jedes Lied zu 100% bekannt ist. Genauso nutze ich dieses Werkzeug auch. Das ist meiner Meinung nach auch der größte Vorteil des Systems.

Allerdings ist nicht alles Gold was glänzt und so hat auch das Camelot-System seine Tücken. Niemals sollte sich ein DJ zu 100% auf sein vorbereitetes DJ-Set verlassen. So harmonisch es auch klingen mag, es gibt Uhrzeiten und gewisse Stimmungen im Publikum, die harte Übergänge verlangen. Ein feierwütiges Publikum möchte nachts um halb 3 auf die aktuellen Hits des jeweiligen Genres abrocken. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Reaktionen des Publikums.

Auch wenn derzeitige DJ-Software Energien in Songs ermitteln können, eine Software wird niemals die Energie in einem Raum analysieren können, der DJ schon, wenn er etwas Erfahrung und Feingefühl hat. Des Weiteren könnte man auch Gefahr laufen, dass ein sehr harmonisches DJ-Set auch sehr eintönig klingt, gerade wenn etwas mehr Abwechslung gefragt ist.

In Bars oder ähnlichen Situationen funktionieren harmonisch gemixte Sets prima und auch beim Setbau sollte niemand auf dieses Werkzeug verzichten. Das Camelot-System kann die Musikqualität steigern und der Fokus wird bei den Übergängen neu definiert, da sich die DJs vielmehr auf andere Dinge konzentrieren können. Klar ist der Einstieg in das DJing leichter als je zuvor und traditionellen Turntablelists wird das sicher ein Dorn im Auge sein. Gerarde bei komplexeren Sets sind Tools wie Keylock  jedoch unerlässlich. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein DJ Puffy bei den Red Bull Thre3style World Finals ohne solche Tools auflegt… und die Hauptsache ist doch, dass das Ergebnis reinhaut – egal wie, es geht doch schließlich um Unterhaltung und Musik.

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