Aus der Praxis

Machen Sie einen Plan

Wie Hörakustiker die Hörbedürfnisse ihrer Kunden im Nah- und Fernfeld effektiv angehen können.

Ich höre immer wieder, dass es schwierig ist, einem Kunden ein Roger™ -System anzubieten, nachdem er ein paar Wochen zuvor Premium-Hörgeräte gekauft hat. Um ehrlich zu sein, finde ich das nicht überraschend. Wenn Sie Premium-Hörgeräte ausgewählt und angepasst haben und der Kunde immer noch erhebliche Schwierigkeiten mit dem Hören im Lärm und über Distanz hat, ist es in der Tat schwierig, ihn davon zu überzeugen, dass ein Roger-System DIE Lösung für seine verbleibenden Probleme mit dem Hören und Verstehen ist – auch wenn wir alle wissen, dass es die richtige Lösung ist. In diesem Moment ist es nicht einfach, Ihrem Kunden gegenüber zuzugeben, dass die Hörgeräte, die Sie zuerst empfohlen haben, nicht die komplette Lösung sind und dass das erste Preisschild nicht die endgültigen Kosten abdeckt.

Anstatt ein Roger-System anzubieten, könnte man natürlich sagen, dass die Hörgeräte erst einmal die bestmögliche Lösung für den Kunden sind. In der Tat erhalten die meisten Kunden keine Informationen zu modernen Mikrofonlösungen, wie Studien gezeigt haben. Und ja, es gibt Grenzen für das, was Technologie leisten kann. Hörverlust ist komplex. Physik ist es auch. Aber Physik ist auch der Schlüssel zur Lösung. Die Physik erlaubt es uns, ein paar Dinge vorauszusagen.

Es ist oft vorhersehbar, wie das Hörerlebnis mit Hörgeräten sein wird. Wenn der Kunde besipielsweise einen Verlust des Signal-Rauschabstands (SNR) von ungefähr 10 dB hat und es notwendig ist, einem Gespräch in einer Entfernung von 2 Metern oder mehr in einem 65 dB Rauschpegel zu folgen, ist es sehr wahrscheinlich, dass Hilfsmittel dies nicht lösen werden. Nicht, weil die Hörgeräte technisch nicht ausgereift sind (im Gegenteil, sie sind kleine Technikwunder), sondern weil es die Raumakustik unmöglich macht, dem Kunden einen SNR zu liefern, der Hörsignale bei diesem Geräuschpegel und in dieser Entfernung liefert. Zum Beispiel beträgt ein Sprachpegel von etwa 70 dB bei 1 Meter etwa 67 dB bei 2 Metern.

Über die kritische Entfernung hinaus ist die Verbesserung des SNR von Richtmikrofonen vernachlässigbar. Es bleibt ein SNR von + 2dB, der 3 dB unter dem kritischen SNR des Kunden (+5 dB) liegen kann, unter der Annahme, dass Normalhörende einen kritischen SNR-Wert von etwa -5 dB haben. Bei 3 dB unter dem kritischen SNR wird niemand irgendein Gespräch verstehen. Und das ist vollkommen vorhersehbar. Die schlechte Nachricht ist, dass ein 65 dB-Rauschpegel (oder mehr) eher die Regel als die Ausnahme ist, und dass ein Verlust von 10 dB im kritischen SNR ebenfalls sehr üblich ist, definitiv für Verluste von mehr als 60 dB.

Um Hörakustiker zu unterstützen, haben wir eine Bedarfsbeurteilung entwickelt, die Fragen für das Nah- und Fernfeld abdeckt. Auf der Grundlage dieser Bedarfsbeurteilung und der audiologischen Befunde kann der Audiologe eine Komplettlösung empfehlen, die Produkte für das Nah- und Fernfeld umfasst. Wenn die gesamte Hörlösung so viele Hörsituationen wie möglich effektiv verbessert, steigt die Kundenzufriedenheit deutlich an.

Meiner Meinung nach wäre es ideal, wenn Hörakustiker einen individuellen Versorgungsplan für jeden Kunden auf der Grundlage seiner Bedürfnisse in Nah- und Fernfeldern, insbesondere für Verluste von über 60 dB, erstellen und den Kunden und ihren Familienmitgliedern den gesamten Plan erläutern. Wenn es sich bei dem Plan um Hörgeräte für das Nahfeld und ein Roger-System für das Fernfeld handelt, ist es nicht notwendig, anfangs Details über Roger zu erläutern. Eine Live-Demo könnte sich jedoch lohnen, um Kunden und ihren Angehörigen einen ersten Vorgeschmack auf das zu geben, was später angeboten wird.

Auf diese Weise können Sie mit der Auswahl und Anpassung der Hörgeräte beginnen. Der Kunde wird sich bewusst sein, dass mit diesem ersten Schritt einige wichtige Hörbedürfnisse angesprochen werden, aber nicht alle Bedürfnisse. Ihre Erwartungen an die Hörgeräte werden realistisch sein, da sie verstehen werden, dass Hörgeräte das erste Angebot innerhalb der gesamten Hörlösung sind. Kunden werden viel besser verstehen, was sie erwarten und was sie nicht erwarten können.

Das Roger-System kommt später, wenn die Hörgeräteanpassung erfolgreich abgeschlossen ist. Natürlich ist jeder Kunde anders. Es kann eine Weile dauern, bis einige Kunden bereit sind, den nächsten Schritt auf ihrem Hörweg zu wagen.

Was Sie tun können, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten? Stellen Sie zunächst sicher, dass Sie Ihre Kunden zu Beginn nicht mit Roger-inkompatiblen Hörgeräten ausstatten. Zweitens, stellen Sie sicher, dass Sie die Erstattungsoptionen für Roger-Systeme kennen, insbesondere für den Arbeitsplatz. Oft ist eine Erstattung möglich, die von der medizinischen Grundversorgung losgelöst ist. Phonak kann hier helfen.

Wenn Ihr Versorgungsplan aufgeht und Sie effektiv die Bedürfnisse Ihrer Kunden sowohl im Nah- als auch im Fernfeld bedienen…Life is on!

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